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Parkour Trainer sein – Bin ich bereit?

Hallo liebe Leser,

heute beginnen wir erstmalig mit einer neuen Serie an Blogbeiträgen. Neben den Neuigkeiten über uns, unsere Jobs und unsere Athleten gibt es sehr viele Themen,
die im Rahmen unserer Entwicklung als Parkour- und Freerunning Athleten und auch Firmengründer eine wichtige Rolle gespielt haben bzw. immernoch spielen.

Die Themen sind freie Werke, die sowohl von uns als Management, sowie von unseren Athleten auch selbst verfasst werden. Jeder hat andere Erfahrungen gemacht und
kann somit individuellen Input geben über die Welt, in der wir uns bewegen.

Wir fangen diese Serie mit einem Beitrag von unserem Athlet Marc Busch an.

Er richtet sich in erster Linie an die junge und aufstrebende Generation an Traceuren und Freerunnern, gibt Ihnen einen Einblick in die große Aufgabe als Parkourtrainer und zeigt auf, warum es nicht sinnvoll ist, sich unter Wert zu verkaufen.

Parkour Trainer sein – Bin ich bereit ?
– von Marc Busch

Ich schreibe diesen Artikel, für all die jungen Traceure/Freerunner, die denken, dass es doch perfekt wäre, sich ein bisschen Geld mit Parkour dazu zu verdienen, und dabei auch noch selbst trainieren zu können. Das stimmt auf den ersten Blick natürlich, aber der größte Teil dieser Newcomer, ist sich dabei einiger sehr wichtiger Sachen nicht bewusst.

Punkt 1: Erfahrung

Wie viel Erfahrung braucht man um Parkour-Trainer zu sein ? Genau diese Frage stellen sich viel zu wenige junge Freerunner, die nur ein bisschen mehr Taschengeld haben wollen.
Erfahrung ist beim Trainer sein das A und O. Wie wärme ich richtig auf ? Wie erkläre ich die Basics ? Wie erkläre ich überhaupt irgend etwas ? Wie gehe ich mit den Kids um ? Was mache ich wenn sich jemand verletzt ? Weiß ich in jeder Situation was zu tun ist ?

Das sind nur einige wenige Fragen, die IHR euch stellen solltet, wenn ihr Coach sein wollt ! Es ist nur sehr schwierig zu sagen, ab wie vielen Jahren Trainingserfahrung man bereit ist Anfängern Parkour zu zeigen und beizubringen. Es gibt Traceure, die sich nach 2 Jahren Training schon sehr gut mit dem Körper auskennen, die wissen, wie sie Techniken erklären, Hilfestellung geben etc. Andersrum gibt es aber auch Leute, die 5 Jahre für sich trainieren und 0 Ahnung von alledem haben. Deswegen:  Bevor ihr den Parkour-Kurs bei euch ums Eck im Turnverein für 5€ annehmt – seid ehrlich zu euch selbst ! Fragt euch: Bin ich dieser Aufgabe gewachsen und wenn ja: Werde ich für meine Leistung genügend bezahlt ?

Punkt 2: Bezahlung

So. Angenommen ihr befindet euch selbst als fähig, anderen Leuten Parkour zu lehren. Ihr habt die Erfahrung, die Skills, und alles andere was ihr dazu braucht. Wie viel verlangt ihr für eure Leistungen und warum ? Ich werde nicht sehr groß auf dieses Thema eingehen, aber lasst euch eins gesagt sein: Verkauft euch nicht unter eurem Wert. Seid euch bewusst, was ihr für eine Arbeit abliefert und wie viel diese wert ist. Hat sie den gleichen Wert, wie die eines Kassierers im Supermarkt (8 € pro Stunde), oder doch mehr ?

Jason Paul – ein guter Freund & Freeunner – hat einen sehr guten und hilfreichen Artikel zu diesem Thema geschrieben. Wenn ihr mehr dazu wissen wollt – hier der Blogeintrag. Und wenn ihr dann herausgefunden habt, wie viel Geld ihr verlangen könnt bzw. solltet, dann bringt den Kids auch was bei ! Schaut nicht weg, wenn sie schlecht landen, nur weil ihr selbst grade am trainieren seid ! Ihr seid nicht dort um nur für euch selbst zu trainieren, sondern um das Beste aus den einzelnen Teilnehmern herauszuholen, körperlich wie auch mental!

Punkt 3: Methoden

Ich habe in meiner Zeit als Trainer zwei verschiedene Methoden kennengelernt, genutzt und analysiert, um Parkour zu vermitteln.

Die 1. Methode ist sehr simpel. Beim ersten Training des Anfängers, nennen wir ihn mal Alex, zeigt man ihm Schritt für Schritt die Basics. Ein bisschen Theorie – was Parkour ist und was es nicht ist. Nach dem Aufwärmen dann – richtig landen, abrollen, Katzensprung, weitere Techniken um Hindernisse verschiedener Höhe zu überwinden. Bei jeder einzelnen Technik wird genau beschrieben, wie diese funktioniert. Mit den Armen von hinten Schwung holen, Hüfte nach unten, in die Knie gehen, Hände mittig auf das Hindernis….und so weiter. Nach einigen Versuchen geht es weiter zur nächsten Technik. Sehr einfach gestrickt. Der einfache Weg ist nur nicht immer der Richtige. Bei dieser Art Parkour beizubringen geht sehr viel verloren. Dadurch, dass man den Anfängern alles genau erklärt, lässt man ihnen von Anfang an keinen Spielraum für eigene Bewegungen und ihre Kreativität.

Die 2. Methode ist sehr viel freier und ich persönlich finde sie schöner für unsere Kunst der Fortbewegung. Wir sind wieder beim ersten Training des Anfängers: Wieder ein bisschen Theorie und Warm-Up. Dann kommt es zu den ersten Bewegungen. Jetzt gebe ich Alex keine Techniken oder Bewegungen vor, wie er das vor ihm liegende Hindernis überwinden soll, sondern lasse ihm freien Lauf. Er soll einfach darauf zu laufen und das tun, was ihm als erstes in den Sinn kommt. Durch diese Art des Coachens habe ich schon dutzende Bewegungen von den Schülern gesehen, die ich vorher von nirgendwo anders kannte. Und genau DAS ist es was Parkour ausmacht. Das macht den Sport, die Kunst größer und lässt sie wachsen. So entstehen neue Bewegungen, durch die Kreativität eines jeden einzelnen. Es gibt kein falsch. Alles was Spaß macht ist genau richtig ! Natürlich ist es wichtig den Neulingen zu zeigen, wie man richtig landet, sich abrollt und kleine Kniffe um sich nicht zu verletzen, aber darüber hinaus sollte das Training meiner Meinung nach so frei wie möglich bleiben, damit sich jeder einzelne dieser Kids frei entfalten kann.

Mehr Artikel über Training:

Von der Kunst, sich zu bewegen
Jams & Verletzungen

Schlusswort

Ich hoffe ich kann mit diesen Worten ein paar von euch jungen Freerunnern da draussen zum nachdenken anregen und vielleicht sogar inspirieren, eure Herangehensweise an das Trainersein zu überdenken.

Ihr könnt mir gerne schreiben, wenn ihr noch Fragen oder Anregungen zu diesem Thema habt. Ihr erreicht mich jederzeit unter marc@ashigaru.de oder den Comments.

Much Love
Marc